4.000 neue Fälle von Coronavirus in Deutschland

Oct 08 , 2020

B. K.

4.000 neue Fälle von Coronavirus in Deutschland

Deutschland erlebe einen "besorgniserregenden Sprung" bei Coronavirus-Fällen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag, da die Zahl der täglichen Neuinfektionen erstmals seit Anfang April wieder über 4.000 gestiegen sei.

Lothar Wieler, der Leiter des Robert-Koch-Instituts, warnte, das Land könne eine unkontrollierbare Ausbreitung des Virus erleben.

Europas größte Volkswirtschaft verzeichnete in den letzten 24 Stunden 4.058 Neuinfektionen mit Covid-19, ein starker Anstieg gegenüber der Zahl von 2.828 am Mittwoch, so das RKI.

"Die Zahlen zeigen einen besorgniserregenden Sprung", sagte Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin und forderte die Deutschen auf, ihre Wachsamkeit gegenüber dem tödlichen Virus nicht aufzugeben.

"Kaum ein anderes Land in Europa hat die Krise bisher so gut bewältigt", sagte er. "Aber wir dürfen das, was wir erreicht haben, nicht verspielen".
Er mahnte die Deutschen, sich an die bekannten Regeln des Maskentragens, des Händewaschens und der sozialen Distanzierung zu halten.

Er drängte sie aber auch dazu, die Corona-Warn-App und das regelmäßige Lüften der Räume in ihre tägliche Routine aufzunehmen.

"Wir wissen nicht, wie sich die Situation in Deutschland in den kommenden Wochen entwickeln wird", sagte RKI-Chef Wieler auf der gleichen Pressekonferenz.
"Es ist möglich, dass wir mehr als 10.000 Fälle pro Tag erreichen. Es ist möglich, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreitet. Aber ich hoffe, dass es das nicht tut."

Der alarmierende sprunghafte Anstieg der Fälle kam mit dem Beginn der Herbstschulferien in ganz Deutschland und veranlasste die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu, die Bürger dazu aufzufordern, während der normalerweise arbeitsreichen Zeit des Tourismus Reisen ins Ausland zu vermeiden.

Die 16 Bundesländer verschärften auch die Regeln für Inlandsreisen. Viele von ihnen vereinbarten ein Übernachtungsverbot in Hotels oder Ferienwohnungen für Besucher aus so genannten Risikozonen im Inland.

Orte, an denen in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner aufgetreten sind, werden als Risikozonen eingestuft, und die lokalen Behörden sind verpflichtet, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um die Ansteckung zu stoppen.

"Unbesiegbar"

Teile des Zentrums von Berlin sind in diese Kategorie gerutscht, was die deutschen Hauptstadtbehörden dazu veranlasst hat, Restaurants und Bars, nach 23:00 Uhr zu schliessen.

Auch in der Finanzhauptstadt Frankfurt stiegen die Zahlen an. In anderen Teilen des Landes sind Hotspots entstanden, einige verzeichnen Masseninfektionen durch Familienfeiern oder private Partys.

Spahn sagte, viele der aktuellen Fälle betrafen jüngere Menschen, die "feierten, reisten und dachten, sie seien unbesiegbar".

"Aber sie sind es nicht", sagte er und drängte junge Menschen dazu, an ältere Verwandte zu denken, für die die Krankheit schwerwiegende Folgen haben kann.

Wieler vom RKI sagte, die Infektionszahlen stiegen bundesweit an. Experten sähen sowohl größere Ausbrüche als auch "viele kleinere Ausbrüche in vielen Teilen Deutschlands".

Insgesamt seien in Deutschland seit Beginn der Pandemie 310.144 Fälle registriert worden, teilte das RKI mit.

Insgesamt sind 9.578 Menschen gestorben, womit das Land im Vergleich zu anderen europäischen Nationen eine relativ geringe Zahl von Todesopfern zu beklagen hat.